
Amazon-FBA-Logistik: Import, Lagerung und Nachschub

Eine gute Amazon-FBA-Logistik entscheidet oft darüber, ob dein Produkt rentabel wächst oder ob Lagerkosten und fehlender Bestand deine Marge auffressen. Du siehst als Seller meist nur den Bestand in Seller Central, doch zwischen Produktion in China und Einlagerung bei Amazon liegen viele Schritte.
Ich habe gelernt: Wer Import, externes Lager und Amazon-Nachschub früh plant, behält Kosten sowie Lieferfähigkeit besser im Griff. Genau darum geht es in diesem Einblick mit Lars von eCommerce Logistics.

Der Weg der Ware beginnt im externen Lager
Das Gespräch fand im ersten Lager von eCommerce Logistics in Oberkrämer statt, etwa 40 Kilometer nördlich von Berlin. Lars, 48, gründete die eCommerce Logistics GmbH im April gemeinsam mit Niklas Spelmeyer. Der Standort liegt nah am Head Office in Berlin und soll langfristig das Flagship-Warehouse des Unternehmens bleiben.
Im Lager läuft der Alltag parallel zu jeder Planung: Ware kommt an, Teams prüfen Kartons, Paletten werden eingelagert und FBA-Sendungen gehen wieder raus. Für viele Amazon-Seller bleibt dieser Teil unsichtbar, weil sie den größten Teil ihrer Arbeit am Laptop erledigen. Trotzdem hängt daran, ob dein Bestand rechtzeitig bei Amazon verfügbar ist.
Ein externes Lager ist vor allem dann sinnvoll, wenn du keine eigene Fläche betreiben willst. Du kannst Waren dort zwischenlagern, gezielt zu Amazon schicken und Rücksendungen annehmen lassen. Dadurch liegt nicht automatisch deine gesamte Bestellung in einem Amazon-Fulfillment-Center.
Ein hoher Amazon-Bestand fühlt sich zunächst sicher an. Er wird aber teuer, wenn sich dein Artikel langsamer verkauft als geplant.

Diese Unterlagen brauchst du für den Import
Bevor die erste Palette das Werk verlässt, sollten Produktion, Anzahlung und Vereinbarung mit dem Hersteller stehen. Danach beginnt die Importabwicklung. Laut Lars scheitert ein reibungsloser Prozess oft nicht am Transport selbst, sondern an fehlenden oder unvollständigen Dokumenten.
Für eine Importanfrage brauchst du vor allem diese Angaben:
- Die Kontaktdaten deines Herstellers, damit der Vorlauf und die Abholung abgestimmt werden können.
- Eine Commercial Invoice mit den Daten zur Ware und zum Warenwert.
- Eine Packing List, damit Mengen, Kartons und Packdaten nachvollziehbar bleiben.
- Eine Zollvollmacht, sobald die Ware europäischen Boden erreicht und die Verzollung ansteht.
Ohne diese Unterlagen kann ein Logistikpartner den Import nicht sauber abwickeln. Ich würde die Dokumente deshalb nicht erst kurz vor Verschiffung einsammeln. Prüfe sie, sobald dein Hersteller die Produktion bestätigt.
Auch die Verpackung gehört in diese frühe Phase. Sie bestimmt nicht nur, wie gut sich dein Produkt transportieren lässt. Sie prägt auch den ersten Eindruck beim Kunden. Warum eine saubere Box im Amazon-Hauptbild und beim Auspacken mehr bewirken kann, zeige ich ausführlich im Beitrag zur Produktverpackung für Amazon FBA.
Importkosten vorab anfragen
Über die Shipping-Quotation von eCommerce Logistics kannst du die Importkosten anfragen. Dort trägst du die relevanten Versanddaten ein. Das spart lange Abstimmungen, weil die Angaben direkt strukturiert beim Logistikteam landen.
Etwa fünf Tage vor der Ankunft der Ware in Europa nimmt das Team erneut Kontakt auf. Anschließend legst du den Wareneingang im JTL-Wawi-Warenwirtschaftssystem an. Bei mehreren Produkten kannst du Bilder hinterlegen. Das senkt das Risiko, dass ähnliche Varianten im Lager verwechselt werden.
Der Ablauf bleibt überschaubar:
- Du übermittelst Herstellerdaten sowie Importdokumente.
- Der Logistikpartner plant Abholung, Transport und Zollabwicklung.
- Kurz vor Ankunft richtest du den Wareneingang im Warenwirtschaftssystem ein.
- Das Lager nimmt die Ware an, lagert sie ein und bereitet bei Bedarf die FBA-Einsendung vor.
Aus dem System steuerst du später nicht nur Amazon-FBA-Ausgänge. Auch andere Versandziele lassen sich darüber organisieren.
FOB ist für viele Importe aus China die klare Wahl
Incoterms regeln, wer bei einem Transport welche Aufgabe übernimmt. Für Amazon-Seller ist diese Frage praktisch relevant: Sie beeinflusst Dokumente, Zuständigkeiten sowie mögliche Zusatzkosten.
Lars empfiehlt für den Import aus China vor allem FOB (Free on Board). Der Hersteller übernimmt dabei den Vortransport zum Hafen und stellt die nötigen Dokumente bereit. Das schafft eine klare Übergabe zwischen Hersteller, Spediteur und Käufer.
Nach Aussage von Lars akzeptieren rund 98 Prozent der Hersteller FOB. Das macht die Vereinbarung für viele Seller einfacher, weil die meisten chinesischen Lieferanten mit diesem Ablauf vertraut sind.
FOB, EXW und DDP im direkten Vergleich
Die Unterschiede lassen sich für die Praxis so einordnen:
FOB nimmt dir nicht jede Aufgabe ab. Du brauchst weiterhin verlässliche Daten, eine Zollvollmacht und einen Partner für den weiteren Transport. Dafür liegt der Hersteller bei der Abwicklung bis zum Hafen stärker in der Pflicht.
Ich würde mich nicht allein auf die günstigste Zahl im Angebot konzentrieren. Ein scheinbar niedriger EXW-Preis kann zusätzliche Arbeit nach sich ziehen, wenn Abholung, Exportabwicklung oder Dokumente später ungeklärt bleiben.
Kosten auf chinesischer Seite richtig prüfen
Auch bei FOB können Kosten im Ursprungsland entstehen. Lars nennt vor allem Vorlaufkosten sowie Terminal Handling Charges. Diese Gebühren sollten sich am Markt orientieren und nachvollziehbar aufgeschlüsselt sein.
Wenn dein Hersteller für FOB plötzlich einen deutlich höheren Betrag verlangt als erwartet, solltest du nachfragen. Lass dir die Positionen einzeln erklären. Danach kannst du die Kosten mit deinem Logistikpartner prüfen lassen. eCommerce Logistics beschreibt seine Leistungen und Ansprechpartner auf der Seite eCommerce Logistics kennenlernen.
Eine unklare FOB-Gebühr solltest du nicht einfach akzeptieren. Eine detaillierte Aufstellung zeigt dir, ob der Preis zum vereinbarten Leistungsumfang passt.
Amazon-Bestand und externes Lager sinnvoll aufteilen
Der häufigste Fehler, denn wir im Interview benannt haben, ist zugleich einer der teuersten: Zu viel Ware wird sofort zu Amazon geschickt. Gerade bei einem neuen Produkt kennst du die reale Nachfrage noch nicht. Selbst wenn deine Marktanalyse gut war, können Conversion Rate, Wettbewerb und Werbedruck den Abverkauf verändern.
Lars unterscheidet deshalb zwischen Schnelldrehern und Langsamdrehern. Ein Schnelldreher braucht häufiger Nachschub. Ein Langsamdreher sollte möglichst nicht monatelang Amazon-Lagerkosten verursachen.
Bei einer Ankunft von etwa 200 Kartons empfiehlt er zunächst rund 5 bis 10 Prozent an Amazon zu senden. Bei 1.000 Einheiten wären das 50 bis 100 Einheiten. Auch eine erste Menge von 10 bis 20 Prozent sind ein denkbarer Start. Welche Zahl passt, hängt von deinem Absatz, deiner Lieferzeit und der Größe deiner Kartons ab.
Ich würde bei einem neuen Artikel konservativ beginnen. Beobachte nach der ersten FBA-Einsendung den täglichen Absatz. Wenn dein Produkt verlässlich verkauft, löst du die nächste Lieferung aus dem externen Lager aus. Dadurch bleibt Ware verfügbar, ohne dass du unnötig hohe Amazon-Lagerkosten erzeugst.
Nachlieferungen in der passenden Menge auslösen
Ein externer Logistikdienstleister kann einzelne Kartons, Masterkartons oder größere Mengen für Amazon vorbereiten. Du musst also nicht warten, bis du wieder eine große Lieferung senden kannst. Je nach Anlieferplan lässt sich auch eine kleine Nachlieferung veranlassen.
Diese Flexibilität ist besonders für Produkte mit unregelmäßigem Absatz hilfreich. Vielleicht verkauft sich dein Artikel an Werktagen moderat, erhält aber durch eine erfolgreiche Kampagne plötzlich deutlich mehr Bestellungen. Dann muss dein Bestand schnell reagieren können.
PPC beeinflusst deshalb auch deine Bestandsplanung. Wenn du Kampagnen ausweitest, kann sich die Verkaufsmenge rasch verändern. Eine Amazon PPC Agentur für profitables Marketing verbindet Kampagnensteuerung mit Performance-Daten. Für dich bleibt wichtig, dass Lagerbestand und Werbebudget zusammenpassen.
Lieferzeiten vor Black Friday und Weihnachten einplanen
Amazon lagert eingehende Ware nicht immer sofort vollständig ein. Im Interview nennen wir Hochphasen wie Black Friday und Weihnachten. Dann kann die komplette Einlagerung laut Erfahrung bis zu drei oder vier Wochen dauern.
Diese Zeit musst du in deinen Bestandsplan einrechnen. Es reicht nicht, erst dann nachzusenden, wenn dein Amazon-Bestand fast auf null steht. Dein Produkt kann bereits ausverkauft sein, obwohl die Kartons längst unterwegs sind oder noch auf die Einlagerung warten.
Vor einer saisonalen Verkaufsphase würde ich diese Punkte prüfen:
- Wie viele Einheiten verkaufst du pro Tag in den letzten vier Wochen?
- Wie viel Bestand liegt aktuell bei Amazon?
- Wie viel Ware ist im externen Lager verfügbar?
- Wie lange dauert die Vorbereitung, der Transport und die Amazon-Einlagerung?
- Steigt der Absatz durch Rabatte oder PPC-Kampagnen voraussichtlich an?
Die Balance bleibt dabei klar: Du brauchst ausreichend Puffer bei Amazon. Gleichzeitig sollten keine Mengen dort liegen, die du in den nächsten Wochen nicht realistisch verkaufst.
Remissionen brauchen Zeit und neue Kartons
Wenn zu viel Ware bei Amazon lagert, kannst du eine Remission starten. Die Ware geht dann zurück in ein externes Lager. Das senkt zwar deine Amazon-Lagerkosten, doch der Prozess braucht Zeit.
Amazon verteilt Bestand oft auf mehrere Lager. Deshalb kommen Rücksendungen nicht zwingend gesammelt an. Laut Lars kann es bei etwa 100 Kartons eine bis zwei Wochen dauern, bis die Sendungen im externen Lager eintreffen. Plane diese Dauer ein, wenn du Ware für eine spätere FBA-Einsendung brauchst.
Der Zustand der Kartons ist ein weiterer Punkt. Es kann durchaus sein, dass ein großer Teil der zurückgesendeten Umkartons beschädigt sein kann. Als realistische Größenordnung nennt Lars etwa 50 Prozent. Manche Kartons taugen dann nur noch als Füllmaterial.
Umpacken kann Teil der Remissionsplanung sein
Ein externes Lager kann Produkte nach einer Amazon-Remission prüfen und in neue Umkartons setzen. Das ist sinnvoll, wenn du die Ware später wieder an Amazon senden willst. Amazon stellt bei Einsendungen hohe Anforderungen an Kartons und Versandvorbereitung.
Berücksichtige daher nicht nur die Rücksendekosten. Kalkuliere auch Bearbeitung, mögliche neue Kartons sowie die Zeit für die erneute FBA-Einsendung ein. Eine Remission ist kein schneller Rückwärtsknopf. Sie ist ein logistischer Prozess, der organisiert werden muss.
Wenn du Produktbilder, Listing-Content, PPC sowie Kontoführung als zusammenhängende Aufgaben steuern willst, kann eine Amazon Full-Service-Agentur für E-Commerce die Marketingseite bündeln. Die Logistik bleibt davon getrennt, doch ein planbarer Absatz erleichtert auch jede Nachschubentscheidung.
Planbare Logistik schützt deine Marge
Amazon-FBA-Logistik beginnt nicht erst mit dem Anlieferplan in Seller Central. Sie startet bei klaren Incoterms, vollständigen Dokumenten und einer realistischen Menge für die erste FBA-Sendung.
Ich halte FOB, ein externes Lager und regelmäßige Nachlieferungen für eine belastbare Grundlage. So vermeidest du unnötige Lagerkosten und behältst genug Bestand für laufende Verkäufe. Planbarer Nachschub ist am Ende wertvoller als ein überfülltes Amazon-Lager.
Häufige Fragen zur Amazon-FBA-Logistik




