
Amazon FBA Erfahrungen: Was du aus 25 Jahren Onlinehandel von FBA bei Markus lernen kannst

Die meisten Amazon-Erfolgsgeschichten, die du heute liest, beginnen irgendwann nach 2018. Markus vom YouTube-Kanal „FBA bei Markus” hat dagegen schon Anfang der 2000er auf Amazon verkauft. Damals war die Plattform kaum mehr als ein Online-Buchhändler. Mit über 30.000 Mitgliedern führt er heute die größte deutschsprachige Facebook-Gruppe zu Amazon FBA. Er hostet außerdem den deutschen Helium-10-Podcast.
Wir haben Markus auf Gran Canaria besucht, wo er mit seiner Familie lebt. Herausgekommen ist ein offenes Gespräch über Umwege, teure Weiterbildungen und die Frage, ob du dich auf ein Business konzentrieren solltest. Ich habe die wichtigsten Erkenntnisse für dich zusammengefasst. Dazu kommen meine Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit Amazon-Händlern bei StacValley.

Vom Gaming-PC zum ersten Amazon-Verkauf
Markus meldete 1999 mit 19 Jahren sein erstes Gewerbe an. Der Grund war ziemlich pragmatisch: Er wollte Teile für seinen Gaming-PC günstiger einkaufen. Gleichzeitig fehlte in Deutschland eine Bezugsquelle für Paintball-Ausrüstung, die er aus den USA kannte. Also kaufte er im Großhandel ein, um Freunde zu versorgen.
Verkauft wurde damals über Plattformen, die heute kaum noch jemand kennt. Dazu zählen Alando als Vorläufer von eBay, der AOL Marketplace sowie Kleinanzeigen-Portale von Zeitungen. Amazon kam erst rund zwei Jahre später ins Spiel. Markus verkaufte dort seine alten Uni-Bücher, nachdem er sein Wirtschaftsstudium abgebrochen hatte.
Sein erstes Takeaway finde ich bemerkenswert. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann suchte er eigentlich einen sicheren Job bis zur Rente. Gestartet ist er dann ohne Vorwissen in die Selbstständigkeit, ganz ohne Kapital.
Seine Haltung: Du musst nicht alles wissen. Du musst dir das Wissen nur beschaffen. Genau so arbeitet er bis heute.

Retail Arbitrage: Sets zerlegen, einzeln verkaufen
Um 2003/2004 wurde Amazon für Markus zum ernsthaften Verkaufskanal. Seine Strategie heißt heute Retail Arbitrage. Er kaufte Ware günstig auf einer Plattform ein, um sie auf einer anderen teurer weiterzuverkaufen.
Besonders gut liefen Laptops und Digitalkameras im Komplettset. Markus zerlegte die Pakete in Einzelteile: Laptoptasche, Software, Bücher, Stativ, Speicherkarte. Jedes Teil bekam ein eigenes Listing. Die Summe der Einzelpreise lag deutlich über dem Set-Preis.
Später kaufte er direkt bei Herstellern ein, teils im deutschen Großhandel, teils im Ausland. Alibaba gab es noch nicht. Die wichtigste Beschaffungsquelle war die CeBIT in Hannover, damals eine der größten Computermessen der Welt.
Aus meiner Erfahrung: Das Prinzip hinter Markus’ Set-Strategie gilt heute genauso. Der Preis entsteht durch den wahrgenommenen Wert pro Listing. Wie du Qualität und Preis sauber aufeinander abstimmst, liest du in unserem Beitrag zu Produktqualität und Preisen bei Amazon FBA.
Ausprobieren als Lernstrategie
Zwischen 2005 und 2010 hat Markus vieles ausprobiert. Der eigene Onlineshop lief gut. Daraus entstand ein zweites Geschäft: Er baute Onlineshops für kleinere Händler sowie Hersteller, die den Sprung ins Internet noch nicht geschafft hatten. Danach folgte SEO.
Rückblickend sieht er darin keinen Zickzackkurs. Wer verstanden hat, wie Ranking bei Google funktioniert, versteht auch die Mechanik bei Amazon sowie YouTube. Die Logik ist überall ähnlich. Sein Wissen über Webdesign hilft ihm heute vor allem beim Delegieren. Er weiß, was realistisch ist. Er kann Ergebnisse von Dienstleistern kontrollieren.
Diese Sichtweise teile ich. Händler mit eigenem Grundverständnis für Listings, Keywords oder Werbung briefen uns als Agentur deutlich präziser. Die Zusammenarbeit wird dadurch schneller.
10.000 Dollar für eine Mastermind: Wissen einkaufen statt raten
Über SEO kam Markus in eine amerikanische Mastermind-Gruppe mit Fokus auf Amazon FBA. Der Einstieg kostete 10.000 US-Dollar zuzüglich Jahresgebühr. Gezögert hat er nicht. Er hatte gelernt, dass sich der direkte Zugang zu Leuten mit Erfahrung lohnt.
In dieser Gruppe hörte er rund 2016 erstmals von Helium 10. Ein Gastsprecher stellte das junge Tool vor, das zunächst Listings erleichtern sollte. Kurz darauf kam die Keyword-Recherche dazu. Markus selbst nutzte damals noch Jungle Scout. Zu dieser Zeit verkaufte er bereits eigene Private-Label-Produkte.
Die Mastermind war auch der Auslöser für seinen YouTube-Kanal ab 2017. Täglich fanden Seminare statt. Markus wollte das Wissen weitergeben. In Deutschland gab es zwar Lukas Mankow sowie Private Label Journey. Beide verlagerten ihren Fokus aber zunehmend auf Unternehmer-Mindset. Für Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Einsteiger war Markus eine ganze Weile der einzige Kanal. Die ersten 1.000 Abonnenten kamen entsprechend schnell.
Die wichtigsten Stationen im Überblick
So sieht ein Arbeitstag auf Gran Canaria aus
Die Vorstellung vom 12-Stunden-Tag des Selbstständigen trifft auf Markus nicht zu. Sein Tag beginnt um 8 Uhr mit der Familie. Nachdem er seine Tochter zur Schule gebracht hat, startet er am Computer mit E-Mails sowie seiner Aufgabenliste. Ein typischer Arbeitstag dauert fünf bis sechs Stunden bis zum Nachmittag. Später kommt oft noch eine Stunde dazu.
Seine Woche verteilt sich grob so:
- YouTube: ein bis zwei Videos pro Woche, etwa zwei halbe Arbeitstage
- Kurs: tägliche E-Mails von Mitgliedern
- Amazon-Business: laufende Kontrolle der eigenen Produkte
- Weiterbildung: Webinare per Kopfhörer bei einem einstündigen Strandspaziergang
Feste Tage gibt es nicht. Markus arbeitet seine Listen flexibel ab. Unterstützung hat er nur punktuell: Ein Administrator moderiert die Facebook-Gruppe. Dort kamen zeitweise rund 100 Beitrittsanfragen am Tag rein, etwa die Hälfte davon von Promotern. Ein Cutter schneidet die Videos. Den Rest erledigt Markus selbst.
Warum Anfänger-Content besser läuft als Profi-Themen
Ein Punkt hat mich im Gespräch besonders interessiert. Warum produziert Markus nach sieben Jahren immer noch Content für Einsteiger?
Die Antwort ist ein harter YouTube-Fakt. Sobald er mehrere fortgeschrittene Videos in Folge veröffentlicht, sinken die Aufrufe. YouTube schlägt sie seltener vor, weil sie weniger neue Zuschauer ansprechen. Zu diesen Themen zählen etwa PPC, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sowie Bestandsplanung. Wiederholung ist deshalb notwendig, um das Publikum weiter wachsen zu lassen. Fortgeschrittene Inhalte landen stattdessen im Kurs.
Genau diese Themen entscheiden in der Praxis aber über deinen Gewinn. Wenn deine Kampagnen Budget verbrennen, unterstützt dich unsere Amazon PPC Agentur bei Struktur, Gebotsstrategie sowie laufender Optimierung. Für die Bestandsplanung im Weihnachtsgeschäft empfehle ich dir unseren Leitfaden zum profitablen Q4-Bestand vor Black Friday.
Das unsichtbare Kapital: ein Netzwerk für jedes Problem
Den Vorwurf, er kenne nur Anfängerthemen, beantwortet Markus gelassen. Sein Wissen sei durch YouTube enorm gewachsen. Helium 10 sprach ihn als bekannten Fürsprecher an. Aus der Affiliate-Partnerschaft wurde eine Rolle als Markenbotschafter mit Podcast, Webinaren sowie weiteren Aufgaben. Nach einigen Monaten merkte er, dass das zeitlich zu viel war. Er reduzierte auf den Podcast, den er seit knapp zwei Jahren macht.
Über den Podcast spricht er regelmäßig mit großen Händlern, Agenturinhabern sowie Dienstleistern. Zum Zeitpunkt des Interviews (Ende 2023) startete er zusätzlich als Alibaba-Ambassador für den deutschen Markt.
Sein Fazit dazu: Für jedes Problem hat er einen Kontakt. Das gilt für festhängende Ware genauso wie für Markenrechtsfragen. Diesen Wert könne man kaum beziffern.
Fokus oder mehrere Einkommensquellen?
Markus verdient heute auf mehreren Wegen. Die drei Hauptpfeiler sind sein Amazon-FBA-Business, sein Kurs sowie YouTube. Dazu kommen Affiliate-Deals für Services, hinter denen er steht. Er investiert außerdem in Aktien sowie Krypto. Immobilien lässt er bewusst aus. In den nächsten ein bis zwei Jahren rechnet er mit einer Verdopplung seines Einkommens.
Trotzdem rät er Einsteigern klar zum Gegenteil. Wer gleichzeitig Affiliate Marketing, Bücher, T-Shirt-Druck sowie Amazon-Produkte startet, landet schnell an einem Punkt, an dem nichts richtig läuft. Seine Empfehlung: Konzentriere deine volle Aufmerksamkeit auf eine Sache, bis sie trägt. Erst danach lohnt sich der Blick nach links und rechts.
Dieses Muster sehe ich in Gesprächen mit Händlern ständig. Verzettelung gehört zu den häufigsten Gründen, warum Accounts stagnieren. Die übrigen typischen Fehler findest du in unserem Beitrag Warum Amazon-Händler scheitern: 7 Gründe.
Wohin die Reise geht
Für das kommende Jahr plant Markus ein Angebot für erfahrene Händler. Die Zielgruppe braucht kein Basiswissen mehr. Sie möchte gezielt Lücken schließen, um hier 3 Prozent mehr Marge zu holen, dort 5 Prozent mehr Umsatz. Erreichen kannst du ihn über seinen YouTube-Kanal „Amazon FBA bei Markus”, die Facebook-Gruppe „Amazon FBA Verkäufer” sowie Instagram. Dort antwortet er persönlich.
Gelegenheiten erkennen schlägt perfekte Planung
Markus’ Weg zeigt, dass Erfolg auf Amazon selten geradlinig verläuft. Aus einem Gewerbe für günstigere PC-Teile wurden über 25 Jahre Retail Arbitrage, Private Label, ein YouTube-Kanal sowie ein internationales Netzwerk. Selbstständig zu sein bedeutet für ihn vor allem eins: Gelegenheiten zu erkennen, um sie konsequent zu nutzen.
Für deinen Start nehme ich drei Punkte mit. Erstens: Investiere in Wissen, statt jahrelang selbst zu experimentieren. Zweitens: Bleib bei einem Geschäftsmodell, bis es zuverlässig Geld bringt. Drittens: Unterschätze die fortgeschrittenen Themen nicht. PPC, Preisgestaltung sowie Bestandsplanung bekommen auf YouTube weniger Klicks. Über deine Marge entscheiden sie trotzdem.



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